{"id":195,"date":"2010-03-18T17:49:20","date_gmt":"2010-03-18T16:49:20","guid":{"rendered":"http:\/\/heinz-ulrich-schwarz.de\/wordpress\/?p=195"},"modified":"2010-03-18T17:49:20","modified_gmt":"2010-03-18T16:49:20","slug":"vollendeter-ungesetzlicher-grenzubertritt-uber-die-seegrenze-mittels-faltboot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/heinz-ulrich-schwarz.de\/wordpress\/vollendeter-ungesetzlicher-grenzubertritt-uber-die-seegrenze-mittels-faltboot\/","title":{"rendered":"&#8222;Vollendeter ungesetzlicher Grenz\u00fcbertritt \u00fcber die Seegrenze mittels Faltboot&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Flucht aus der DDR \u00fcber die Ostsee&#8220; oder \u00e4hnlich  lautete der Titel einer Ausstellung der Birthler-Beh\u00f6rde, die wir im  Juli 2005 in Peenem\u00fcnde besucht haben.<\/p>\n<p>Ich fand das sehr  eindrucksvoll, teilweise ebenso bedr\u00fcckend.<!--more--><\/p>\n<p>Eindrucksvoll war f\u00fcr mich  der Mut, den die Fl\u00fcchtlinge aufgebracht haben und der  Erfindungsreichtum bei der Herstellung der unterschiedlichsten  Fluchtmittel.<\/p>\n<p>Bedr\u00fcckend waren die harten Strafen, die f\u00fcr  Republikflucht, vollendet oder versucht, dokumentiert waren und da\u00df  Leute bis in den Tod den Weg aus der DDR gesucht haben.<\/p>\n<p>Insoweit  das Faltboot als Fluchtmittel erw\u00e4hnt war, gebe ich die Ausstellung  hier wieder. Der folgende Text ist, wenn nicht kursiv, der Text der Ausstellung.<\/p>\n<p>Das Dokument, das diesem Beitrag den Titel  gegeben hat:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"..\/..\/images\/text%20grenze.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<ul>\n<li> Mit dem Faltboot  durch den Nebel<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nach vergeblichen Ausreisantr\u00e4gen  entschlie\u00dfen sich der M\u00f6beltischler Andreas L. und die Friseuse Sabine  L. aus Leipzig zur Flucht \u00fcber die Ostsee. Mit diesem Faltboot fl\u00fcchtete  das junge Ehepaar in der Nacht zum 26. Juni 1988.<\/p>\n<p>Das Boot aus der Ausstellung:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"..\/..\/images\/falt_orig.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"..\/..\/images\/kolibri.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Ausr\u00fcstung und Vorbereitung<\/p>\n<p>Das  zweisitzige Faltboot Kolibri IV kaufen sie in einem Sportwarengesch\u00e4ft,  doch Paddel gibt es nicht. Andreas L. muss sie selbst bauen. Erst der  zweite Versuch gelingt. Ein kleiner Handkompa\u00df und eine Stra\u00dfenkarte  komplettieren die Ausr\u00fcstung. Auf dem Schwielowsee bei Berlin trainieren  sie f\u00fcr die Flucht.<\/p>\n<p>Die  selbstgebauten Paddel:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"..\/..\/images\/paddel.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Warten auf g\u00fcnstiges Wetter<\/p>\n<p>Anfang Juni 1988 bauen sie auf dem Campingplatz Meschendorf ihr  ger\u00e4umiges Zelt auf. Dort verstecken sie ihr zerlegtes Faltboot. W\u00e4hrend  sie auf ruhiges Wetter und Nebel warten, erkunden sie die Bewachung der  Seegrenze. Sie stellen fest, dass sie zwischen zwei Beobachtungst\u00fcrmen &#8211;  dem Meschendorfer und dem von K\u00fchlungsborn West &#8211; hindurch m\u00fcssen. Am  letzten Urlaubstag herrscht endlich Fluchtwetter: Nebel und  spiegelglatte See.<\/p>\n<p>Im Schutz des  Nebels \u00fcber die Ostsee<\/p>\n<p>25. Juni 2988, 2.00 Uhr: Andreas  und Sabine L. legen von der K\u00fcste bei K\u00fchlungsborn ab. Sie steuern  Richtung Nordwest. Ihr Ziel ist Staberhuk\/Fehmarn. Nach einiger Zeit  h\u00f6ren sie Motorenger\u00e4usche. In der Dunkelheit sehen die Fl\u00fcchtlinge nur  schemenhaft ein Schiff ohne Positionslichter. Ein starker Scheinwerfer  leuchtet die See ab. Die Nerven der beiden sind zum Zerrei\u00dfen gespannt.  Ein Lichtkegel erfa\u00dft sie. Sie glauben sich entdeckt, paddeln trotzdem  weiter. Langsam passiert hinter ihnen das Wachschiff. Aufatmen,  beruhigen. Am Morgen sehen die Fl\u00fcchtlinge Fischereizeichen, h\u00f6ren  Nebelh\u00f6rner und verschiedene Motorenger\u00e4usche. Kurze Zeit sp\u00e4ter taucht  aus dem Nebel ein Angelboot auf. Dem Fischer erz\u00e4hlen sie, woher sie  kommen. Er r\u00e4t ihnen, auf der Position zu bleiben. W\u00e4hrenddessen f\u00e4hrt  der Fischer zum Seenotrettungskreuzer der DGzRS  &gt;&gt;J.T.Essberger&lt;&lt;, den er ganz in der N\u00e4he wei\u00df und  informiert die Crew.<\/p>\n<p>In  Sicherheit nach 9 Stunden<\/p>\n<p>Um 10.58 nimmt die Crew der  &gt;&gt;J.T.Essberger&lt;&lt;, 5 sm s\u00fcd\u00f6stlich von Gro\u00dfenbrode, die  Fl\u00fcchtlinge Sabine und Andreas L. mit ihrem Faltboot an Bord. In 9  Stunden paddelten sie 20 sm ((ca. 37 km) \u00fcber die Ostsee.<\/p>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"..\/..\/images\/ehel_L.jpg\" alt=\"\" \/><\/div>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"..\/..\/images\/faltboot_l_erl.jpg\" alt=\"\" \/><\/div>\n<div><img decoding=\"async\" src=\"..\/..\/images\/boot_ehel_L.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Faltboot  in originalen Packtaschen.<br \/>\nDas Foto wurde vom MfS als  Schulungsmaterial aufgenommen. Vom Transportpolizist bis zum  freiwilligen Helfer der Grenztruppen sollte jeder wissen, dass sich in  dieser Verpackung kein Zelt, sondern ein Faltboot verbirgt.<br \/>\nFoto:  Archiv BSTU<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"..\/..\/images\/paket.jpg\" alt=\"\" \/><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Ein  Wachschiff der Grenzbrigage K\u00fcste entdeckte W.S., als er am 17.  September 1987 mit seiner Segeljolli &gt;&gt;Kolibri&lt;&lt; Richtung  Gedser steuerte.<br \/>\nFoto: Archiv BSTU<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"..\/..\/images\/jolle-Kolibri.jpg\" alt=\"\" \/><\/li>\n<li>Eine  Grenzstreife entdeckte am 28. M\u00e4rz 1986 in einem Geb\u00fcsch bei  Markgrafenheide dieses Faltboot. Die Grenzer lauerten dem Fl\u00fcchtling auf  und nahmen ihn fest.<br \/>\nFoto: Archiv BSTU<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"..\/..\/images\/versteck.jpg\" alt=\"\" \/><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Ende  der 60er Jahr rettete die Besatzung des Feuerschiffs Gedser Rev auch  diese beiden jungen M\u00e4nner mit ihrem Faltboot.<br \/>\nFoto: Nils Gartig,  Gedser<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"..\/..\/images\/gedser.jpg\" alt=\"\" \/><\/li>\n<li>Die Ausstellung hatte auch eine gro\u00dfe Tafel  mit bekannten und unbekannten Todesf\u00e4llen. Bei diesen Personen wurde  als Fluchtmittel das Faltboot benannt. Ich habe die Namen abgek\u00fcrzt. Sie  waren in der Ausstellung ausgeschrieben.\n<p>+ KPEE<br \/>\n24.9.1942 &#8211; 13.4.1962<br \/>\nertrunken bei der Flucht mit dem Faltboot<br \/>\n+  KG<br \/>\n25.9.1941-13.04.1962<br \/>\nertrunken bei der Flucht mit dem  Faltboot<br \/>\n+ CG<br \/>\ngestorben am 13.4.1962<br \/>\nertrunken bei der  Flucht mit dem Faltboot<br \/>\ngeborgen auf Fehmarn<br \/>\n+ UB<br \/>\n26.02.1949 &#8211; 10.9.1979<br \/>\n+ MB<br \/>\n8.2.1960-10.9.1979<br \/>\ngeborgen an  der K\u00fcste R\u00fcgens<br \/>\nim Sturm kenterte der Faltboot-Katamaran der  Familie B.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Flucht aus der DDR \u00fcber die Ostsee&#8220; oder \u00e4hnlich lautete der Titel einer Ausstellung der Birthler-Beh\u00f6rde, die wir im Juli 2005 in Peenem\u00fcnde besucht haben. 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