{"id":88,"date":"2010-03-14T19:37:26","date_gmt":"2010-03-14T18:37:26","guid":{"rendered":"http:\/\/heinz-ulrich-schwarz.de\/wordpress\/?p=88"},"modified":"2011-01-01T19:03:24","modified_gmt":"2011-01-01T18:03:24","slug":"gott-sei-dank-haben-wir-jetzt-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/heinz-ulrich-schwarz.de\/wordpress\/gott-sei-dank-haben-wir-jetzt-frieden\/","title":{"rendered":"Gott sei Dank haben wir jetzt Frieden!"},"content":{"rendered":"<p>Mein Vater wurde 1944 im Alter von 16 Jahren als Luftwaffenhelfer an der Remagener Br\u00fccke eingesetzt.<\/p>\n<p>Er schildert seine Erlebnisse in einer Rede am 7. M\u00e4rz 2010 in der Stadthalle in Remagen.<!--more-->Heinz Schwarz<\/p>\n<p>Gestern  vor 65 Jahren vermittelte ich im n\u00f6rdlichen Turm in Erpel ein Telefongespr\u00e4ch.  Im obersten<\/p>\n<p>Raum  dieses Turmes war die Vermittlungsstelle f\u00fcr die Verbindung des Kampfkomandanten  des Heeres zu den Pionieren an der Br\u00fccke und anderen im Raum Remagen anwesenden  milit\u00e4rischen Einheiten.<\/p>\n<p>Es  klingelte und es meldete sich Hauptmann Bradtke, der Kampfkommandant, und<\/p>\n<p>forderte den Chef der Pioniere, Herrn Hauptmann  Friesenhahn. Wir &#8211; alle Soldaten wie Luftwaffenhelfer &#8211; sp\u00fcrten, dass es eine  besondere Situation war. Ich st\u00f6pselte die Verbindung und h\u00f6rte folgendes  Gespr\u00e4ch: \u201e Friesenhahn, hier Bradtke: Heil Hitler Herr Friesenhahn: Heil Hitler  Herr Bradtke: Amerikaner in Rheinbach durchgebrochen. Mit Vorsto\u00df auf Bonn und  Remagen ist zu rechnen. Br\u00fccke ist mit Z\u00fcndung zur Sprengung vorzubereiten. Heil  Hitler Herr Friesenhahn, \u00a0Heil Hitler Herr Bratke!\u201c<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war es verboten, die Gespr\u00e4che mitzuh\u00f6ren.  Aber die Technik des H\u00f6rers machte es m\u00f6glich zu\u00a0 h\u00f6ren, ohne dass\u00a0 die  Gespr\u00e4chspartner dies feststellen konnten. Am H\u00f6rer gab es eine Taste, die man  dr\u00fccken musste zum Sprechen. War die Taste nicht gedr\u00fcckt, konnte man  h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Meine  erste pers\u00f6nliche Reaktion war, jetzt kommt der Krieg zu mir. Sieben Monate war  ich jetzt Luftwaffenhelfer.<\/p>\n<p>Am  24.juli war ich 16 Jahre geworden.<\/p>\n<p>Am 1.  August 1944 hatte ich meinen Dienst begonnen. Unsere Unterkunft war in Engers im  Saal des Kolpinghauses.<\/p>\n<p>Unser  Gel\u00f6bnis legten wir mit vielen anderen auf der Festung Ehrenbreitstein ab. Sechs  Wochen dauerte die Ausbildung an der Br\u00fccke in Engers an der 3,7  Flakkanone.<\/p>\n<p>Mein  erster Einsatz war auf der Karthause in Koblenz. Ich hatte in einer Nacht Wache  zu schieben, als ein Angriff auf Koblenz war. Die l\u00e4ngste Zeit an diesem Abend  verbrachte ich in einem Deckungsloch, das f\u00fcr eine Person errichtet war. Man  ging in die Hocke und in diesem Fall hatte ich einen, von irgendjemand,  gefertigten Holzdeckel. Dieser Holzdeckel sollte die Erde abhalten, die einen  durch die Bombe zusch\u00fctten konnte.<\/p>\n<p>Meine  Erinnerung an diese Wache ist, dass ich die Bomben an mir vorbei rauschen h\u00f6rte,  die auf die Stadt flogen.<\/p>\n<p>F\u00fcr  mich war diese Nacht ein Grund zu versuchen, nach Erpel zu kommen. Die  \u201eKoblenzer\u201c und die \u201eRemagener\u201c geh\u00f6rten zu einer Batterie. Meine Bem\u00fchungen  waren erfolgreich und ich zufrieden, weil ich damit den Nachtangriffen auf  Koblenz ausweichen konnte.<\/p>\n<p>An der  Ludendorf Br\u00fccke war mein erster Einsatz im Kripper Feld an einem 60 cm-  Scheinwerfer. Unsere Unterkunft war in einem Gartenh\u00e4uschen in einem  Obstgarten.<\/p>\n<p>Ich  meine, es war die gleiche Stelle, wo wir heute noch ein solches Gartenh\u00e4uschen  sehen k\u00f6nnen. Der Scheinwerfer stand etwa 50 bis 60 m in Richtung Rhein. Eine  bleibende Erinnerung an diesen Einsatz ist eine Feststellung eigenen  Verhaltens.<\/p>\n<p>Abends  waren wir am Scheinwerfer, um evtl. feindliche Flugzeuge zu erfassen. Nat\u00fcrlich  blieb man nicht immer wach, sondern d\u00f6ste oder schlief sogar ein. Zun\u00e4chst war  die gr\u00f6\u00dfte St\u00f6rung der Zugverkehr auf der rechten Rheinseite. Die Erpeler Ley  war ein guter Reflektor zur Verst\u00e4rkung der Ger\u00e4usche, die auch damals schon  insbesondere die G\u00fcterz\u00fcge verursachten. Dennoch st\u00f6rten diese nicht beim D\u00f6sen  oder gar Einschlafen. Hellwach wurde ich immer, wenn entfernt Motorenger\u00e4usch zu  h\u00f6ren war.<\/p>\n<p>Ich\u00a0  habe w\u00e4hrend meiner Zeit als Luftwaffenhelfer kein Tagebuch gef\u00fchrt, deshalb  wei\u00df ich auch heute noch nicht, wann ich auf der Erpeler Ley  landete.<\/p>\n<p>Auch  hier wieder an einem Scheinwerfer. Gute Erinnerung habe ich an unseren Chef, den  Stabsgefreiten Eierkuss aus Neuwied. Ein alter Soldat, der Vater mehrer Kinder  war, er h\u00e4tte auch unser Vater sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Scheinwerfer werden am Tag nicht ben\u00f6tigt. So  beobachteten wir das Geschehen an und um die Br\u00fccke. Wir wohnten in einer  Baracke. Der Stabsgefreite und drei Luftwaffenhelfer. Bei zu erwartenden  Angriffen auf die Br\u00fccke war unser bombensicherer Platz ein Loch in der Erpeler  Ley. Als die Ley noch ein Steinbruch war, wurde dieses \u201eLoch\u201c gebohrt, um die im  Steinbruch gewonnenen Steine zu einem transportf\u00e4higen Platz zu bringen.<\/p>\n<p>An  einem Tag gen\u00fcgte die Zeit nicht mehr, um unser Loch zu erreichen und ich  schmiegte mich fest auf die Erde im beginnenden Hang der Ley in Richtung Erpel.  Bomben fielen auf das Plateau, unsere Baracke fiel auseinander und Splitter und  Steine \u00fcber mich hinweg. Eine unvergessene Mahnung, rechtzeitig unseren eigenen  Luftschutzbunker aufzusuchen.<\/p>\n<p>Auch  Luftwaffenhelfer mussten zum Friseur. Der ungef\u00e4hrlichste Ort war Kripp. Mein  Freund und Kamerad Helmut Eudenbach und ich machten uns auf den Weg nach Kripp.  Der Weg f\u00fchrte an unserer alten Stellung am Obstgartenh\u00e4uschen vorbei. Wir  besuchten unsere Kameraden, ein \u00e4lterer Mann Unteroffizier und vier  Luftwaffenhelfer. Es war am 8. Dezember 1944. Wir vernahmen deutliches  Motorenger\u00e4usch von Tieffliegern. Helmut Eudenbach und ich rannten zu einem  Unterstand neben dem Scheinwerfer, wir wussten, dass dort ein Maschinengewehr  war. Als wir in der Deckung ankamen, war klar, hier ist nichts zu schie\u00dfen, wir  nahmen volle Deckung und h\u00f6rten Bomben fallen und explodieren. Wir schauten  langsam aus unserer Deckung &#8211; vom Gartenh\u00e4uschen, wo wir vor wenigen Sekunden  noch waren, war nichts mehr zu sehen. Drei Bomben waren unmittelbar um das  Geb\u00e4ude gefallen.\u00a0 Unter den Tr\u00fcmmern unsere Kameraden.<\/p>\n<p>Helmut  Eudenbach blieb an der Ruine und ich lief zur Br\u00fccke um zu berichten, was  geschehen war. Es waren immer noch Flieger zu h\u00f6ren, allerdings\u00a0 etwas weiter  s\u00fcdlich. Unter einem gro\u00dfen Baum nahm ich Deckung, um nicht gesehen zu werden.  Dann h\u00f6rte ich weitere Bombeneinschl\u00e4ge und sah Rauchwolken hochsteigen. Diese  Bomben waren auf meinen Heimatort Leubsdorf gefallen. In Erpel in einem  Br\u00fcckenturm berichtete ich unserem Chef, ein junger Leutnant, was geschehen war.  Dieser schickte mich zu meiner Familie nach Hause. Ich hatte Urlaub bis zum  n\u00e4chsten Tag.<\/p>\n<p>Zwei  nicht zu vergessende Ereignisse will ich Ihnen noch kurz berichten.<\/p>\n<p>Wir  sollten an der Stra\u00dfe von Erpel nach Orsberg einen Bunker ausgraben. Warum und  wozu, wussten wir nicht. Der Befehl war gegeben und wir machten uns an die  Arbeit. Mit Pickel und Schaufel. Ankommende Tiefflieger beendeten allerdings  unsere Arbeit recht schnell. Bombentrichter neben der Stra\u00dfe, die aber  zugefroren waren, w\u00e4ren ein\u00a0 guter Schutz gewesen. Aber neben dem Bombentrichter  flach zu liegen, also links die Stra\u00dfe, rechts der Bombentrichter, musste auch  reichen. Aus Richtung Orsberg in Richtung Rhein kamen zwei Lightnings. Die  Lightning war ein Jagflugzeug, das im Anflug wie im Abflug schie\u00dfen konnte. Ich  lag h\u00f6chstens 60 cm neben der Stra\u00dfe, auf der die Kugeln einschlugen. Als alles  vorbei war, sprang ich in einen zugefrorenen Bombentrichter und war entsprechend  nass. Ich ging nach Orsberg in ein Haus, weil ich wusste, dass die Bewohner  meinen Vater kannten. Die Sorge der Alten in diesem Hause war, der Junge kann  sich ja erk\u00e4lten, ich zog meine Hosen aus, erhielt die warmen Unterhosen des  Gro\u00dfvaters und musste so lange bleiben, bis meine Uniformhose trocken war. Ein  guter Schutzengel hat mich in den vorgenannten Lagen  besch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Es muss  Ende Februar gewesen, ich war mittlerweile im Br\u00fcckenturm in Erpel in der  Vermittlung. Unser Luftschutzraum hier war der unterste Raum, auf der Ebene der  Bundesstra\u00dfe. Wir h\u00f6rten das Krachen der Bomben um die Br\u00fccke. Nach Ende des  Angriffs gingen wir nach oben. Keine 100 Meter von unserem Turm waren  Bombentrichter. Am Rande eines dieser Bombentrichter lag unser junger Leutnant,  von der Bombe zerfetzt. Er hatte unseren Turm nicht mehr  erreicht.<\/p>\n<p>Mit  diesen Begebenheiten will ich ihnen deutlich machen, dass wir im Krieg waren und  es dennoch nach dem Telefongespr\u00e4ch mein erster Gedanke war: \u201eJetzt kommt der  Krieg zu mir\u201c. Jetzt kommt die Front an den Rhein.<\/p>\n<p>An der  Br\u00fccke waren durch Bombenangriffe oft Sch\u00e4den, die diese f\u00fcr die Eisenbahn  unbenutzbar machten. So war es auch in den ersten M\u00e4rztagen. Andere Fahrzeuge  konnten die Br\u00fccke nicht benutzen. Von den Pionieren hatte ich erfahren, dass  die Br\u00fccke so ausgelegt werden sollte, dass auch andere Fahrzeuge die Br\u00fccke  nutzen k\u00f6nnten. Am Rhein lag ein Schiff, von diesem wurden Holzschwellen auf die  Br\u00fccke gebracht, in Remagen beginnend mussten bis Erpel\u00a0 die Schwellen\u00a0 so  schnell wie m\u00f6glich gelegt werden. In der Nacht vom 6. auf den 7. M\u00e4rz wurde  dies auch geschafft.<\/p>\n<p>Massenweise kamen Soldaten, Milit\u00e4rfahrzeuge, von  Pferden gezogene Kanonen und Zivilisten \u00fcber die Br\u00fccke. Es war eine geschlagene  Armee. Wenn es noch jemand gegeben haben sollte, der an den Sieg der Deutschen  geglaubt haben sollte, es war klar, dies ist das Ende.<\/p>\n<p>Ich  hatte an meiner Vermittlungsanlage zu sitzen. Es kam der Morgen des 7. M\u00e4rz. Die  Informationen best\u00e4tigten, dass die\u00a0 Amerikaner auf Remagen zu marschierten. Es  gab aber keine Schlacht um Remagen, obwohl einige Gewehrsalven zu h\u00f6ren waren.<\/p>\n<p>Ich  f\u00fchlte mich in meinem Turm sicher. Selbst wenn man mit der Artillerie auf meinen  Turm schie\u00dfen w\u00fcrde, die Mauern w\u00fcrden dies aushalten. Wenn ich in den  vergangenen Monaten etwas Besonderes gelernt hatte, war es Sicherheit  zu<\/p>\n<p>haben.  Sicherheit f\u00fcr diesen Augenblick, f\u00fcr jetzt. Was sp\u00e4ter sein w\u00fcrde, war kein  Gedanke. Die n\u00e4chste Sekunde zu erleben war das Ziel. Verbindung hatte ich bis  zuletzt mit einer Vermittlung der Flak im Keller in der Schule in Kripp und mit  einem Luftwaffenhelfer auf der linken Rheinseite. Er sagte mir, sein Chef habe  ihm gesagt, er solle dort bleiben und wenn die Amis k\u00e4men, nach Hause gehen. Er  wohnte in unmittelbarer N\u00e4he.<\/p>\n<p>Es war  wohl die Neugierde des 16j\u00e4hrigen, die mich dazu brachte, auf die oberste  Turmplatte zu gehen, gebeugt, ausgestattet mit Stahlhelm und einem guten  Fernglas, zu schauen, ob es was zu sehen gibt. Beim ersten Gang war nichts zu  sehen. Es kann nicht viel sp\u00e4ter gewesen sein, da machte ich den n\u00e4chsten  Versuch. Dann sah ich den ersten amerikanischen Soldaten in meinem  Leben.<\/p>\n<p>Aus der  ersten Gasse n\u00f6rdlich vom Br\u00fcckenturm kam ein GI, das Gewehr im Anschlag ging  dieser allein auf die Br\u00fccke zu. Einige\u00a0 Minuten sp\u00e4ter stand ein Panzer am  Bahndamm in Remagen. Sch\u00fcsse fielen in dieser Zeit nicht. Ich aber wusste: jetzt  ist es Zeit, die Br\u00fccke zu verlassen.<\/p>\n<p>Zwischen dem Turm und dem Tunnel waren einige Meter von  der linken Rheinseite Einzusehen, die ich im geb\u00fcckten Laufschritt hinter mich  brachte.<\/p>\n<p>Am  Eingang des Tunnels standen mehrer Offiziere, darunter der Chef der Pioniere,  Hauptmann Friesenhahn, den ich kannte; diese waren sehr \u00fcberrascht, mich zu  sehen und gaben mir den Befehl, sofort nach hinten zu verschwinden. Ich war im  Tunnel. Ich war sicher.<\/p>\n<p>Es  dauerte nicht lange und es hie\u00df: alles hinlegen die Br\u00fccke wird gesprengt. Wir  h\u00f6rten einen Knall, damit war wieder Sicherheit. Im Tunnel konnte einem nichts  passieren.<\/p>\n<p>Dann  die Parole: die Br\u00fccke steht noch. Wenige Minuten sp\u00e4ter: der Ami ist auf der  Br\u00fccke. Diese Information war f\u00fcr mich das Signal \u00a0raus aus dem Tunnel, dies  gelang und ich begann meinen Weg nach Hause zu meiner Familie.<\/p>\n<p>Die  Amerikaner ben\u00f6tigten keine 24 Stunden von Rheinbach nach Remagen und ich  bef\u00fcrchtete, diese w\u00fcrden am Rhein nach S\u00fcden und schnell meinen Heimatort  Leubsdorf erreichen. Deshalb ging ich etwa 1 km nach Osten und orientierte mich  nach der Sonne auf meinem Ziel nach S\u00fcden. Die Objekte Steffensbrauerei in  Kasbach und Basaltinwerk in Linz best\u00e4tigten mir, parallel zur Bundesstra\u00dfe auf  dem richtigen Weg zu sein. So erreichte ich meinen Heimatort von Osten kommend.  Am fr\u00fchen Abend dieses 7. M\u00e4rz konnte ich meine Eltern und Geschwister  begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Wann  ich meine Uniform\u00a0 auszog, ist mir nicht mehr in Erinnerung. Ich erinnere mich  noch sehr genau, dass ich meinem guten Lufthelfermantel in einer kleinen  Holzkiste , vor Regen mit Basaltinplatten gesichert hinter unsrem Haus vergrub.  Aus diesem Luftwaffenhelfermantel erhielt meine Schwester sp\u00e4ter einen schicken  warmen Mantel.<\/p>\n<p>Die  Amerikaner nahmen Leubsdorf am 12. M\u00e4rz ein.<\/p>\n<p>Nun  begann eine neue Zeit, was ich bald bemerken konnte. Vor meinem Elternhaus sagte  mir ein GI, du Soldat! Ich hatte aber einen Feldpostbrief von meinem Vetter Karl  Haardt, er war ein Jahr \u00e4lter als ich, bei mir. Dieser Brief hatte ein Datum vom  Februar an die Adresse Hindenburgstrasse 44. Vor diesem Haus standen wir. Es  wurde kein Problem.<\/p>\n<p>Wenige  Tage sp\u00e4ter erneut ein GI: du Soldat, neben mir stand ein  Nachbar<\/p>\n<p>Herr  Gulisch, er zeigte seinen tschechoslowakischen Pass\u00a0 und best\u00e4tigte mir, dass  ich nicht Soldat war.<\/p>\n<p>Erheblich schwieriger war es bei der dritten Begegnung.  Alle B\u00fcrger waren aufgefordert, zu einer bestimmten Zeit sich in die Leubsdorfer  Kirche zu begeben. Meine Gro\u00dfmutter, geboren 1871, weigerte sich dies zu tun.  Meine Eltern, meine Schwester und mein Bruder folgten dieser Aufforderung. Ich  blieb bei meiner Oma. Vier Soldaten kamen in unser Haus. Oma und ich waren im  Haus, was diese sehr erstaunte. Mir wurde klar gemacht, dass ich mit einem  Soldaten zum B\u00fcrgermeister zu gehen h\u00e4tte, dies war nur zwei H\u00e4user weiter. Dort  war eine Studienr\u00e4tin, Frau Haubrich,als Dolmetscherin, die mir sagte, ich h\u00e4tte  mich auch in die Kirche zu begeben. Der Amerikaner und ich hinter ihm gingen  zur\u00fcck in unser Haus, wo die drei Soldaten mit meiner Gro\u00dfmutter geblieben  waren. Dort redeten die amerikanischen Soldaten miteinander und verlie\u00dfen unser  Haus. Die zuvor geschilderte Szene \u2013 Besuch beim B\u00fcrgermeister \u2013 dauerte 10-12  Minuten. Drei junge Soldaten sind mit einer Gro\u00dfmutter in dieser Zeit in einem  Zimmer, ihr Kamerad kommt zur\u00fcck und der junge Deutsche auch. Es ist meine  sichere \u00dcberzeugung, diese jungen M\u00e4nner wurden an ihre eigenen Gro\u00dfm\u00fctter  erinnert.<\/p>\n<p>Die  n\u00e4chsten Begegnungen in diesen Tagen waren erfreulicher. Die Front hatte sich  entfernt, wir hatten eine Gastwirtschaft und es gab m\u00f6glicherweise etwas zu  trinken.<\/p>\n<p>Meine  Englischkenntnisse aus der Handelsschule waren auch  zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n<p>Die  erste Frage dieser Soldaten an mich war \u201eWas macht Max Schmeling ?\u201c\u00a0 Meine  Antwort war die Frage \u201eWas macht Shirley Temple ?\u201c Diese Unterhaltung endete mit  einem Geschenk, einem Football.<\/p>\n<p>Der  Krieg in unserer Heimat war damit f\u00fcr uns beendet.<\/p>\n<p>Ab Juni  1945 setzte ich meine Lehre bei der Kreissparkasse Neuwied fort. In der  Katholischen Jugend begann die Suche wie es weiter gehen w\u00fcrde. Unser Pfarrer  Josef Lellmann, ein Andernacher, wusste uns guten Rat. Ich gr\u00fcndete in unserer\u00a0  Pfarrei die DPSG, die Deutsche Pfadfinderschaft Sanct Georg und fand den Weg zur  Jungen Union. Am 16.Mai 1947 vor der 1. Landtagswahl in Rheinland-Pfalz wurde  ich Mitglied der CDU.<\/p>\n<p>Unsere  Gro\u00dfeltern und unsere Eltern und meine Generation haben Deutschland wieder  aufgebaut. Frieden war das oberste aller Ziele.<\/p>\n<p>Auf der  rechten Rheinseite gibt es einen sehr m\u00e4chtigen Basaltstein. Dieser wurde aus  dem Rhein geholt, als die Br\u00fcckenfeiler beseitigt wurden. Ich habe dem damaligen  B\u00fcrgermeister Edgar Neustein gesagt, es mu\u00df etwas auf diesen Stein, damit der  nicht so nackt da steht. Das Ergebnis ist eine Plakete auf der steht ein Wort  des 1. Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland Dr. Konrad Adenauer :  Frieden ohne Freiheit ist kein Friede.<\/p>\n<p>Das  haben wir geschafft. Die Kinder meiner Enkel werden in Europa in Frieden leben  k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Vater wurde 1944 im Alter von 16 Jahren als Luftwaffenhelfer an der Remagener Br\u00fccke eingesetzt. Er schildert seine Erlebnisse in einer Rede am 7. M\u00e4rz 2010 in der Stadthalle in Remagen.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[40],"tags":[43,41,42],"class_list":["post-88","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-familie","tag-brucke-von-remagen","tag-heinz-schwarz","tag-luftwaffenhelfer"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pafp4h-1q","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/heinz-ulrich-schwarz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/heinz-ulrich-schwarz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/heinz-ulrich-schwarz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/heinz-ulrich-schwarz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/heinz-ulrich-schwarz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=88"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/heinz-ulrich-schwarz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":381,"href":"https:\/\/heinz-ulrich-schwarz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88\/revisions\/381"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/heinz-ulrich-schwarz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/heinz-ulrich-schwarz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=88"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/heinz-ulrich-schwarz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}